Auf den Pfaden der Huaoranis

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Die Waorani oder Huaorani (bedeutet Volk oder Mensch) sind eine indigene Ethnie, die in den Regenwäldern des westlichen Amazonasbeckens zwischen den Flüssen Napo und Curaray im Osten Ecuadors lebt.
Noch heute leben die meisten von ihnen vorwiegend von Jagd und Sammelwirtschaft sowie ergänzendem Feld- und Gartenbau. Die Waorani vermieden sehr lange jeglichen Kontakt nach aussen und begegneten Eindringlingen feindselig.
Und dies aus gutem Grunde.  Denn neben den immer noch agressiv missionierenden Christen hat die seit den 1960er Jahren einsetzende Erdölförderung im gesamten Waoraniland die grössten und zerstöreristen Auswirkungen auf die Lebensweise und den Lebensraum des Volkes.

Durch Bekannte bekam ich die Gelegenheit zusammen mit Byron eine Comunidad von Huaoranis im Dorf Kakataro zu besuchen.
Der Weg dahin jedoch war für mich beschwerlicher als erwartet.
Morgens um 3:00 wurden wir in Misahualli per Taxi abgeholt und zwei Stunden auf holprigen Strassen bis zu einem Kichwa Dorf mit dem Namen Selva Amazonas gefahren.
Hier wurde ein Frühstück, Chicha, Reis und Eier serviert.
Dann bei Sonnenaufgang um 6 Uhr ging es zu Fuss los.
Auf schmalen, sumpfigen Pfaden raus in den Primärwald. Bis zum Dorf war es ein 5 Stunden Marsch (für die Huaoranis eine kleine 2 Stunden Tour)
Um 11 Uhr wurden wir herzlich im Dorf willkommen. Ich war tot müde und meine Füsse schmerzten. Doch die Dorfbewohner forderten zum Tanzen und Essen auf. Und natürlich zum Chicha trinken. Dieses leicht alkoholhaltige Getränk lässt einem fast alles ertragen und stärkte für das Weiterwandern.
Denn um 16 Uhr war Zeit für die Rückkehr. Halbwegs haben wir dann das Zelt aufgestellt und konnten endlich unseren lang ersehnten Schlaf und Ruhe einfordern.
Am nächsten Morgen ging es dann um 7 Uhr wieder los, zurück nach Selva Amazonas.
Nach dem 3 Stunden Marsch war ich komplett fertig und freute mich auf den nächsten Bus der uns zurück nach Tena brachte. Die faszinierdend intakte Natur und die Begegnung mit diesen Leuten hallte noch lange nach.

 

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Silvesternacht in Pukaurcu

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Der Jahreswechsel 2017-2018, wie in den meisten Orten in Ecuador, wurde intensiv gefeiert.
Dazu gehören wie immer die Männer als Witwen verkleidet, die das „Neue“ für das Neue Jahr suchen. Aber auch die Strohpuppen, die das alte Jahr versinnbildlichen. Das Abwerfen von schlechten Gewohnheiten, representieren dadurch, dass diese Puppen um Mitternacht verabschiedet werden und in der Öffentlichkeit verbrennt werden.
Ich hatte die Gelegenheit draussen in der kleinen Comunidad von Pukaurcu mitzufeiern.
Tagsüber wurde Voleyball und Fussball gespielt. So um 18:00 gingen alle erst runter zum Fluss um sich zu baden, danach in ihre Hütten um sich frisch und schön für das gemeinsame Fest zu kleiden.
Ein Fest mit viel Tanz, vielen Ansprachen und leider auch mit, wie immer, zuviel Alkohol.
Der absurdeste Höhepunkt war dann um Mitternacht das gemeinsame Gebet mit ca 90 sehr betrunkenen Leuten und danach die Verbrennung der Puppen. Ein Vaterunser auf spanisch, aufgetragen von lallenden Betrunkenen ist schon fast lustig.
Trotzallem war es für mich ein faszinierendes schönes Fest, zu spüren dass die Comunidad mich wirklich einbezieht und akzeptiert.
Für mich auf jedenfall war es ein sehr positiver und schöner Start ins 2018.

Geburtstag und Taufe

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Die Kichwas lieben die Feste. Leider immer mit zuviel Alcohol. Das Fest am 23. Dezember war einer Taufe und Byrons Geburtstag gewidmet.
Auf die Frage an Byrons Bruder, der Vater des Kindes, wieso er eine Taufe wünsche war: Die haben gesagt man sollte das machen und es ist ein guter Grund für ein Fest.
Der agressive Druck der christlichen Religionen auf die Indigenen und damit der Zerstörung dieser Kulturen und Werte, ist beängstigend. Vor 100 Jahren hätte ich das noch verstanden, aber heute? Der Gottesdienst war so peinlich und kindlich gestaltet, dass ich mich nach 5 Minuten entfernen musst. Habe lieber draussen mit den Waorani Indianern getanzt.
Das Fest selber wurde draussen im Wald, in Paukaurcu, im Elternhaus von Byron, gefeiert. Viel Essen, Trinken (500 l Chicha) und Tanzen bis zum umfallen reichten bis am nächsten Tag um 15:00 nachmittags, den 24. Dezember.

 

Inmitten des Lebens

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Das Leben draussen im Wald hat was faszinierendes für mich. Schlafen auf dem Boden, waschen im Bach, Essen am Boden, und vieles mehr sind eigentlich Werte die für mich negativ waren. Ich mag ein gutes Bett, eine heisse Dusche, gutes Essen an einem hübsch gedeckten Tisch. Dies sind die Werte die mir beigebracht wurden.
Jedoch verlieren diese immer mehr an Wichtigkeit.
Das Einfache bringt mich viel näher in den aktuellen Moment.
Ich sitze unten im Fluss, umhüllt von den Geräuschen des Waldes und der Natur, wasche mich während die Sonne untergeht. Ein unheimlich schöner Moment den ich nie in meinem luxus Badezimmer erleben könnte.
Die Famile draussen integriert mich immer mehr und lässt mich Teil von ihnen sein.
Ich schätze jeden Moment wo ich das Leben aus dieser nächsten Nähe leben darf. So streng es auch oft für mich sein mag.

 

Der Schwarze Fluss – Yana Yacu

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Um Tena gibt es immer wieder neues zu entdecken. Der Nachteil ist, dass diese Orte schwer zu finden und nicht leicht erreichbar sind. Dafür sind sie umso unberührter und faszinieren schön. Yana Yacu ist einer dieser Orte. Zusammen mit Freunden war dieser „schwarze“ Bach, versehen mit vielen Wasserfällen und gar Höhlen, unser Ausflugsziel letztes Wochenende. Ein ortsbewanter Taxifahrer hat uns mit seiner Camioneta über holprige Strassen zur nächstgelegenen Comunidad gefahren. Von da aus ging es zu Fuss runter zum Fluss. Dann alles flussaufwärts Stufe für Stufe weiter rein in den Wald.

 

Schweiz neue Welt

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Für meinen Aufenthalt im September in der Schweiz hatte ich das Vergnügen von Byron Chimbo, einem indgenen Kichwa aus dem amazonas Regenwald, begleitet zu werden.
Für ihn war dies die erste Reise ausserhalb von Ecuador, die erste Reise in einem Flugzeug überhaupt.
Für mich ist dieser Kulturwechsel jedesmal eine starke Herausforderung und ich denke für ihn waren dies gewaltige Herausforderungen.
Es war fast wieder ein Erlebnis meine Heimat und die Klichees der Schweiz erleben zu dürfen.
Wir hatten die Gelegenheit an vierschiedenen Orten Infoveranstaltungen über das Leben im Regenwald zu presentieren. Das Interesse und Echo war weit grösser als wir erwartet haben. Herzlichen Dank an alle die sich dafür die Zeit genommen haben.
Der grösste Dank jedoch geht an meine Geschwister. Ohne die mentale Unterstützung von ihnen, wäre diese Herausforderung hier im Amazonas Regenwald nicht möglich.
Hier einige Eindrücke und Highlights aus diesem 4 wöchigen Aufenthalt.

 

Bildervortrag über das Leben im Amazonas

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Wie schon im vorhergehenden Blog erwähnt, werde ich vom 29. August bis Ende September in der Schweiz weilen. Ich werde diese Zeit auch nützen um meine Erlebnisse und Erfahrungen hier im Amazonas mit Leuten teilen zu können.
In Bildern und Kurzvideos möchte ich die Schönheit des Amazonas Regenwaldes zeigen und über die einheimischen Indios, die Kichwas berichten. Ich möchte über ihre Kultur, ihre Bräuche, aber auch über deren Herausforderungen erzählen. Näherbringen wie es ist in einer Welt zu leben die immer mehr von unseren Werten überrannt und dominiert wird.
Die Natur hier leidet nach wie vor unter unserer Raffgier. Abholzungen, Gold,- und Mineralabbau, Abfallbeseitigung etc., vergiften und zerstören dieses lebenswichtige Ökosystem. Meines Erachtens kann nur durch eine gute Bildung der einheimischen Bevölkerung diesem Trend entgegengesetzt werden.

Zusammen mit Freunden haben wir hierfür in Ecuador die Stiftung SABER Y CRECER (Wissen und Wachsen) gegründet. Mit dieser Organisation möchten wir den indigenen Jugenlichen die Werkzeuge dazu geben sich gut auszubilden um sich für ihre Lebensraum einsetzen zu können.
Vom 11.-16. September habe ich mir Zeit eingeplant diesen Vortrag abzuhalten.
Falls jemand interresse hat oder eine Gruppe von Leuten für diesen Vortrag begeistern kann, meldet euch bitte unter sigi.andermatt@gmail.com oder direkt hier über die Website.