Reiseantritt Schweiz

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Wiederum steht eine Reise in die Schweiz an.
Vom 15. August bis Anfang September werde ich zusammen mit Byron Chimbo, Freund und indigener Kichwa, in der Schweiz weilen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Familie und Freunden und auf etwas Zeit zum ausspannen, aber auch um alte Pfade gehen zu können.
Ein Grossteil des Aufenthaltes möchte ich jedoch auch nutzen um meine heranwachsende Stiftung SABER Y CRECER presentieren zu können. Hier steht noch viel Arbeit an.
Letzte Besuche bei Freunden und Familien macht mich etwas wehmütig, ist doch diese Welt schon ein wichitiger Bestandteil meines Lebens geworden.

 

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Wachsen mit dem Projekt SABER Y CRECER

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Mit jeder Aufgabe und Herausforderung hier im Regenwald und mit dem Aufbau des Projektes SABER Y CRECER, wachse ich ein bisschen mit.
Oft scheint mir das ganze über den Kopf zu wachsen und ich hinterfrage meine Aufgabe. Macht dies Sinn, wieviel bringt das, ist da noch Zeit genug für mich selber.
Und dann kommen immer wieder diese aufbauenden Momente. Wie zum Beispiel die erfolgreichen Abschlüsse von den beiden Kochlehlingen Romel und Erika und das Dankesfest mit den Familien draussen in den Dörfern.
Dies sind Momente die mich stolz machen, die unseren Einsatz, zusammen mit den motivierten Volontären, bestätigen.

Schaman

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Violeta, die Mutter von Byron hat sich vor einem Monat besorgt gegeben, da ich immer Müde bin. Sie meinte, dass sie gerne für mich und Byron einen Schamanen organisieren möchte. Und so kam es auch.
Am Samstagabend war es dann soweit. Es war schon am Eindunkeln als wir mit dem Kanu von Misahuallí Richtung Haus der Familie Chimbo flussabwärts fuhren.
Nach dem Nachtessen im Haus der Familie hat dann das Ritual im Wohnzimmer begonnen. Ziel des Rituales ist es sich geistig und körperlich reinigen zu lassen.
Der Schaman der diese Reinigung vornimmt, hat sein Ayahuasca (aus der Ayahuasca Liane gewonnenes halluzinogenes Getränk) eingenommen. Dieses gibt dem Schaman die Gabe und den Zugang um helfen zu können.
Die Behandlungen wurden wie immer im Dunkeln durchgeführt. Daher auch keine Bilder von der Behandlung. Sie besteht aus Gesprächen, Reinigung durch Rauch und Alkohol, Berührungen, Gesängen und Reinigung mit Blättern. Der Prozess ist schwer zu beschreiben. Nur eines kann ich sagen. Es ist sehr wirkungsvoll und beruhigend zur gleichen Zeit.
Etwa um 3 Uhr gab es dann endlich Nachtruhe. Ich war so erschöpft, und hab so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen.
Herzlichen Dank

Was sind meine Werte?

 

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Morgensonne über den Anden. Blick aus dem Fenster beim Anflug auf Quito

Meine Reise in die Schweiz und die Präsentation meiner Stiftung SABER Y CRECER hat bei mir viele Eindrücke hinterlassen. Begeisterte Unterstützung aber auch skeptisches Hinterfragen meiner Tätigkeit hier im Amazonas Regenwald.
Ich sehe mich nicht als Gutmensch. Mein Ziel ist es mein Wissen und Lebenserfahrung, meine privilegierte Lebenssituation und der materieller Wohlstand, der doch zumeist auf Kosten ärmerer Länder wie Ecuador aufgebaut ist, zu teilen.
Meine Überzeugung ist es, dass dies nicht einfach durch finanziell unterstützen, sondern durch Bildung weiterzugeben ist.
Täglich hinterfrage ich meine Arbeit und bin offen für jegliche Kritik die das selbe Ziel haben, soziale Gerechtigkeit und Schutz unserer Umwelt zu verfolgen.

Viele schöne Erinnerungen, vor allem mit meiner Familie aber auch mit unzähligen Freunden, machten es mir schwer wieder zurück nach Ecuador zurückzukehren. Mein Leben in der Schweiz wäre einiges einfacher und bequemer.
Jedoch, wenn meine Kraft reicht, möchte ich mein Projekt SABER Y CRECER soweit aufbauen, dass es mit gutem Gewissen übergeben werden kann und ein Weiterbestehen gesichert ist.

Es ist faszinierend meine Heimat, da ich oft in einer kompletten konträren Welt weile, wie mit den Augen eines «fremden» zu sehen.

Reise in die Schweiz

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Zwischen zwei grundverschiedenen Welten

Noch ist es noch nicht soweit, aber die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Einkäufe, packen, organisieren. Vom 26. Februar bis am 29. März werde ich in der Schweiz weilen.
Der Wechsel zwischen diesen beiden Welten ist jedesmal schwierig für mich. Nicht dass das Eine besser als das Andere wäre, aber die krassen Unterschiede in Mentalität und Lebenstil sind anstrengend.
Ich freue mich auf jeden Fall Familie und Freunde zu sehen. Es gibt viel zu erledigen, für die Stiftung Saber y Crecer aber auch vieles für mich privat.
Und natürlich hoffe ich auf ein paar geruhsame Tage für mich selber und in guter Gesellschaft.

Grenzsäuberung

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Das Grundstück in endlich überschrieben. Nun geht es darum die Grenzen vorort genau zu bestimmen und abzustecken. Keine einfache Arbeit im dichten Regenwald und dazu noch auf sehr ungängigem Gelände.
Mit Mithilfe von lokalen Helfern und Voluntären kämpfen wir uns Meter um Meter, mit scharfen Machentten und hightech Navigationsgeräten ausgerüstet durch das Gelände.
In 4 Arbeitstagen haben wir fast die Hälfte des Geländes geschafft.
Es ist nicht nur harte Arbeit. Es ist auch faszinierden was wir alles auf dem Gelände entdecken. Bäche, Schluchten, Tiere, faszinierende Pflanzen.
Jedoch begegen wir leider auch unangenehme Sachen. Fallen für Wildtiere, aufgestellt von Wilderern und auch gefällte Bäume von Holzräubern. Dies sind alles illegale Sachen vor denen man sich leider nur schlecht schützen kann. Von den Behörden wurde mir empfohlen so schnell wie möglich einen Grenzzaun zu erreichten.
Also…. es steht noch viel an.

Kichwa Hochzeit in Santa Rosa

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Es war eine einmalige Gelegenheit an einer Kichwa Hochzeit teilzunehmen. Daher habe ich sofort zugesagt. Das Patenkind von Violeta Chimbo, Byrons Mutter, hatte zur Hochzeit eingeladen. Ort der Handlung war Santa Rosa, ca 2,5 Stunden flussabwärts von Misahuallí mit dem Kanu.
Also, letzten Samstag ging es los. Per Bus nach Misahuallí und da wartete auch schon  morgens um 8 Uhr die Familie Chimbo, bepackt und bereit im Kanu auf uns.
Los ging es flussabwärts. Und dies ist keinenfalls ein einfaches Unterfangen. Der Fluss, Río Napo verzweigt sich immer wieder an vielen Stellen in viele Nebenflüsse, Sandbänke und Kiesfelder. Mehrere Male mussten wir umkehren weil wir den Hauptfluss verpasst hatten.
Aber wir haben es in 2,5 Stunden geschafft in Santa Rosa heil anzukommen.
Die Begrüssungen hier sind für unsere Begriffe immer sehr langsam.
Man kommt an, wartet; erst mal kommen Kinder; schauen scheu; man spricht nicht; dann kommen Erwachsene langsam; man berät und wartet auf den verantworlichen der Einladung. Langsam spaziert man dann Richtung Dorf. Setzt sich irgendwo in einen schattigen Platz. Gesprochen wird kaum. Eben warten.
Ich wollte Initiative erfreifen und mich rumfragen wo der verantwortliche, die Person die uns eingeladen hat, wohnt. Habe aber bemerkt, dass dies nicht dem hiesigen Codex entspricht. Man wartet einfach bis jemand kommt und einlädt.
Das geschah dann auch nach einer langen Weile warten. Der Vater der Braut lädt uns in sein Haus ein und informiert, dass das Fest um 13:00 beginnt.
Dies gab mir genügend Zeit, mein Zelt aufzuschlagen, denn die Hütte war schon voll mit Gästen besetzt.
Zum Fesbeginn, auf dem Festplatz wurde dann sofort Chicha serviert (alkoholhaltiges traditionelles Yukagetränk).
Wie in allen traditionellen Kichwa Feste setzte man sich im Kreis hin und die Akte des Festes wurden in der Mitte ausgeführt, wie Tänze des neu vermählten Paares, mit den Eltern und Paten, Geschenkübergaben, Glückwunschübergaben etc.
Essen gab es mehr als reichlich. Pro Kopf wurde zusammen mit einer Schale Reis, ein ganzes gekochtes Hühnchen, einen getrockneten Fisch und Teile von Carne de Monte (gekochter Affe) gereicht. Dazu gab es reichlich Flüssiges. Immer wieder Chicha und natürlich viel Bier und Schnaps. Schon um 20:00 lagen die ersten Alkoholleichen umher. Und natürlich wurde viel getanzt und gelacht.
Um Mitternacht dann, suchte ich mein Zelt auf. Herrlich da draussen im Wald in der Wildnis zu schlafen.
Als ich morgens um 7 Uhr aufwachte war das Fest immer noch im vollen Gange. Um 10 Uhr immer noch. Um 12 Uhr immer noch und unser Kanufahrer irgendwo im Alkohol-Koma.
Ich wollte zurück nach Haus. Andere Kanus zurück gab es nicht.
Wir informierten uns wo die nächst Strasse zu finden sei.
In zirka einer Stunde Fussmarsch Richtung Berge, wurden wir informiert. Und so machten wir uns zu dritt auf den Weg. Und tatsächlich fanden wir zur Strasse, und sogar mit dem Glück, dass da ein Bus war der uns in einer 3,5 Stunden Fahrt zurück nach Tena brachte. Müde aber glücklich kamen wir abend in Tena an. Ein strenges aber tolles Erlebnis.