Leben in der Quarantäne

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Bis zum heutigen Tag ist unser Kanton NAPO glücklicherweise vom Virus verschont. Das Gebiet wurde hermetisch abgeschlossen. Zugang gibt es nur noch für Transporte von Essen, Medizin und Benzin. Herzlichen Dank

Wie für soviele andere Menschen hat sich unser Lebensraum von Gestern auf Heute extrem verändert und reduziert. Die ecuadoriansche Regierung hat sehr rasch stark einschneidende Massnahmen erlassen und diese werden auch entsprechend streng exekutiert.
5:00 bis 14:00
Raus gehen ist toleriert, jedoch nur um das wichtigste zu erledigen. Einkauf von Essen, Medizin oder Benzin.
14:00 bis 5:00
Absolute Ausgangssperre, ausgenommen Notfälle.
Morgens, ab 5:00, gehen wir schnell einkaufen. Der Zugang zu Einkaufsläden ist reguliert. Die Endzahl der Ausweisnummer (ID) definiert die Zeiten zum Einkaufen. Meine Endnummer zum Beispiel ist 1. Das erlaubt mir Montags und Freitags einzukaufen (6:00 bis 12:30). Eingekauft wird nur mit Maske und vorzugsweise mit Handschuhen.

Dann ab 14:00 ist alles ruhig und chillig. In unserer Wohngemeinschaft hier in Tena sind wir 4 Personen und 2 Hunde. Glücklicherweise haben wir mehr als genug Platz in den beiden Wohnungen. Es wird viel gelesen, gelernt, gesurft, abends Karten gespielt und natürlich gut gekocht und gegessen.
Das einzige was mich nervt ist, dass wir die Baustelle in Guinea Chimbana nicht mehr regelmässig besuchen können. Denn da gibt es viel zu tun. Momentan besetzen 2 Mitarbeiter die Baustelle um kleine Arbeiten zu erledigen, aber vorallem um die Baustelle zu beschützen.
Unser Ziel ist es trotz allem in maximal 2 Wochen das Haus soweit fertigzustellen, sodass 2 Personen da mehr oder weniger bequem wohnen können. Das heisst:
– Ein Bad fertigstellen
– 2 Räume bereitstellen und mit Türen versehen
– Einrichten einer kleinen Kochgelegenheit
– Kleiner Kühlschrank.
Wasser und Strom gibt es schon seit längerem. Alles was fehlt ist Telefon und Internet. Aber darauf verichten wir gerne auch mal für längere Zeit. Es gibt ja genügend zu tun rund um das Haus.

Ich denke dieses Virusproblem wird uns noch für längere Zeit beschäftigen. Aber ich lasse mich gerne darauf ein. Ändern können wir ja im Moment eh nichts.
Also Kopf hoch, Herausforderung annehmen, und los. Denn nur vorwärts gehen kann uns zu neuen Horizonten führen.

Alles Gute an alle und viel viel Gesundheit.

Hausbau – Corona-Pause

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Die weltweite Pandemie hinterlässt auch hier seine Spuren. Obwohl der Kanton Tena, Ecuador, noch nicht direkt betroffen ist, sind bei uns strengste Regeln ausgerufen worden. Keine Öffentlichen Verkehrsmittel, alle Läden inkl Restaurants, bis auf Essware und Apotheken, sind geschlossen. Empfehlung ist es zuhause zu bleiben. Ausgangsperre herrscht von 19:00 bis 7:00 morgens. Alle öffentlichen Plätze, Touristenattraktionen sind geschlossen. Das Autosfahren ist durch Nummernschilder limitiert; Tage mit ungeraden Zahlen, Tage mit geraden Zahlen.
Hier im Regenwald werden diese Massnahmen sehr gut eingehalten. Zum Glück.
Keine Hamsterkäufe, keine Zankereien.
Der Hausbau ist natürlich deswegen in Verzögerung geraten. Glücklicherweise hat der Bauführer Vicente, genügend Material vorab eingekauft. Somit kann im reduzierten Tempo trotzdem weiter gearbeitet werden. Der Besuch der Baustelle ist leider etwas schwierig, da es keine Busse oder Taxis mehr gibt. Aber das kann durch liebenswürdige Nachbarn abgedeckt werden. Diese fahren uns ab und zu auf die Baustelle.
In dieser, doch etwas tristen Zeit heitern 2 neue Puppies unser Leben etwas auf. Vaco, ein Rüde und Becky, ein Weibchen, wohnen seit einer Woche hier in meiner Wohung in Tena. Geplant war eigentlich dass die beiden auf dem neuen Grundstück im neuen Haus wohnen sollten. Aber das muss noch warten. Auf jeden Fall konnten sie heute zum ersten Mal ihr neues Heim draussen in GuineaChimbana beschnuppern. Es scheint zu gefallen.

Ich wünsche allen viel Optimissmus und Kraft.
Nehmen wir diese Pandemie als eine Herausforderung an.
Ich denke sie zwingt uns einmal vom hohen Pferd runter zu steigen, unser Leben mal genau anzuschauen, was wir tun und wie wir es tun, und sie gibt uns die Chance unser Verhalten neu zu überdenken.

Die einheimische Bevölkerung hier draussen, spürt von all dem sehr wenig bis nichts. Für sie verändert sich kaum was, denn sie leben mit der Natur.

 

Ein Traum wird wahr

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Vor etwa 3 Jahren hatte ich einen Traum. Einen Traum über einen Ort draussen im Wald, jedoch in der Nähe eines Zentrums. Ein Haus wo sich viele verschiedene Leute begegnen können. Ein Ort wo gelernt wird und gegenseitig Wissen ausgetauscht wird, wo der indigenen Bevölkerung, wenn auch nur in kleinem Rahmen, mitgeholfen werden kann. Nichts religiöses, nichts fanatisches. Einfach ein Heim zum Wachsen, in akademischer aber auch persönlicher Hinsicht.
Die Bilder waren ziemlich klar und vorallem, sie reflektieren den Ort den ich nun wirklich vor einem Jahr gefunden habe, ein Grundstück in Guinea Chimbana.
Der Weg dahin war streng und voll von Umwegen, Baustellen und Momenten wo ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. Trotz allem oder warscheinlich gerade deswegen, habe ich extrem viel für mich selber gelernt.
Seit einem Monat haben die Arbeiten begonnen. Die Zugangstrasse wurde gebaut. Die Fundamente für das Haus gelegt und die Pläne und Kostenzusammenstellungen erstellt. Dies alles auf schondendst möglichem Weg. Grosse Bäume wurden umfahren, Erde so wenig wie möglich verschoben. Nur ein Bruchteil des Grundstückes wird bebaut, nur wenige Bäume gefällt. Der Rest soll so naturbelassen wie möglich bleiben und ein kleines parkähnliches Erhohlungsgebiet werden.
Noch ist alles in Arbeit, aber ich bin zuversichtlich, das bis April 2020 das Projekt steht und bezogen werden kann. Ein neuer Ort für viele, unzählige neue Möglichkeiten, für hoffentlich viele Menschen. www.saberycrecer.org

Familienbesuch aus der Schweiz (2)

9. November bis 18. November
In Guayaquil ging die Reise weiter. Meine Schwestern haben mich für eine Weiterreise nach Peru eingeladen. Eine Reise durch Peru war schon lange auf meiner Wunschliste aber auf Grund der Arbeiten hier bis anhin nicht möglich.
Ein interessantes, spannendes Reiseprogramm erwartet uns:
– Lima, Hauptstadt von Peru
– Flug nach Cusco und Reise ins Heilige Tal, Urubamba
– Ausflüge Salineras de Maras, Gärten von Moray
– Weiterfahrt nach Ollantaytambo, Yugfahrt nach Aguas Calientes
– Machupicchu als Highlight
– Bahnfahrt nach Cusco
– Ausflüge in Cusco
– Busfahrt nach Lake Titikaka
– Ausflüge auf dem Lake Titikaka, Inseln Uros und Taquile
-Rückflug nach Lima
Die Reisen waren begleitet und sehr spannend. Peru hat mir sicherlich mehr geboten als ich erwartet habe. Und dies in entspannter, familiärer Begleitung. Es war schön mit meinen beiden Schwestern zu reisen, uns auf neues kennen zu lernen. Herzlichen Dank.

Familienbesuch aus der Schweiz (01)

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28. Oktober bis 09. November (Erste Etappe)
Eigentlich war diese Reise schon lange geplant gewesen, aber irgendwie war der Moment, als ich meine beiden älteren Schwestern in Quito für eine Weiterreise in Ecuador abholen konnte, fast irreal.
Freude teilen, alte Geschichten aufwärmen, viel Zeit zusammen zu haben, gemeinsam reisen, meiner Familie meine in zwischen vertraute Umgebung zu zeigen, war überwältigend.
Erst Etappe war Tena und Umgebung; Erlebnisse im Regenwald und die Möglichkeit mein Tun und meine Freunde vorzustellen.
Danach ging es in die Berge, nach Baños, Alausi, Cuenca und schlussendlich nach Guayaquil, der Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Peru.
Ich denke die Bilder sprechen für sich.
Herzlichen Dank an euch Rosa und Clara.

Generalstreik in Ecuador (Paro)

Stell dir vor die Schweizerbehörden verdoppeln über Nacht die Benzinpreise. Zusätzlich, werden alle Löhne der Staatsangestellten um 20% reduziert (Polizei, Lehrer, Ärzte, Pfelger, etz), ausser die Löhne der Politiker. Und auf alle Neueinstellungen von Mitarbeitern werden 2% mehr Abgaben verlangt.
Die Schweiz würde auch in Flammen stehen.

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Was hier unter diesem Regime passiert ist unter jeder Würde, zersört die sonst schon geschwächte Wirtschaft und raubt einem wunderschönen, eigentlich reichem Land, die Zukunft.
In diesem Land leben der Grossteil der Bevölkerung am Existensminimum. Die Verzweiflung ist gross und dadurch auch die Gewaltbereitschaft.

Glücklicherweise lebe ich in Tena, im Osten des Landes wo die Effekte dieses Generalstreiks spürbar sind, jedoch nicht diese Agressivität herrscht.
Die Bewegungsfreiheit ist komplett eineschränkt, denn es fahren keine Busse und oft auch keine Taxies. Foodtransporte bleiben aus. Und wenn jemand versucht trotzdem zu reisen wird man durch unzählige Strassensperren behindert.
Noch geht es uns gut. Das einzige was mich etwas besorgt ist die Beschaffung von Nahrung. Wasservorräte haben wir angelegt, aber frisches Essen, welches hauptsächlich aus den Berggregionen kommt, gibt es kaum mehr.
Wir harren aus und hoffen, dass sich das Blatt in nächster Zukunft wendet.
Dass sich eine vernünftige Regierung finden lässt die dieses Land aufbaut und nicht ausraubt.

 

 

Generalstreik Ecuador

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Regionalbusse in Tena aufgereiht. Bis auf weiteres fahren keine Busse mehr.

Wie ihr vielleicht aus den Nachrichten entnommen habt, hat die Bevölkerung einen Generalstreik in ganz Ecuador einberufen.
In den Grosstädten kam es zu gröberen Ausschreitungen. Auch hier in Tena herrscht Spannung aber es ist relativ ruhig. Es gibt keine Taxis mehr, keine Busse mehr, eigentlich wird alles angenehm ruhig. Man bleibt somit zuhause, denn Reisen ist unmöglich. Auch nicht mehr mit Privat-Auto, denn Strassenbarikaden lassen komerziellen und auch privaten Verkehr nicht mehr passieren.
Das einzige was uns etwas beunruhigt ist das Essen. Die Gestelle in den Läden leeren sich allmählich. Wie immer auch, Angst, dass es kein Essen geben wir haben wir nicht, denn Bananen und Mañok, Regionales Essen, gibt es genug hier.