Mitbewohner

Dieser Oro Pendolo möchte anonym bleiben 🙂

Wenn man an den Urwald denkt, denkt man automatisch auch an Tiere, Schlangen, Insekten, und vieles Ungeziefer. Was jedoch oft als Gefahr vertan wird ist eine vielfältige wunderschöne Welt. Kein Tier, ausser vielleicht die Mücken, hat ein Interesse den Menschen Schaden zuzufügen.

Eigentlich genau das Gegenteil trifft zu. Nur allzu oft finden wir Fallen von Wilderern.
Obwohl das Grundstück, Standort des neuen Studentenhauses, relativ nahe an der Stadt Tena ist (ca 6 km) gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Tieren hier. Mono-Nocturnos (Nachtaffen), Oso-Perezoso (Faultiere), kleine Chichicos Äffchen, Tukane, Papageien, wilde Truthähne, viele verschieden Eulen, Guatuzas (wie ein grosse Meerschweinchen), und viel mehr wandelt in unserer direkten Nachbarschaft auf dem Grundstück.

Pünktlich um 17:30 fliegen die Oro-Pendolos zu hunderten ums Haus, auf der Suche nach Früchten und Insekten. Morgens weckt das Geschrei der Tukane, abends lädt das gezirpe der Grillen und das Quaken von Kröten und Fröschen zum Einschlafen. Rufe von Eulen begleiten die Nacht. 
An bestimmten Nächten gibt es ganze Invasionen von Termiten oder anderen fliegenden Insekten. Zu tausenden schwärmen sie aus, fliegen ins Licht, sterben und bedecken den ganzen Boden im Haus. Etwas unangenehm aber gleichzeitig auch faszinierend. Ein kurzer Kreuzzug mit dem Besen durch das Haus und der Spuck ist vorbei.
Was noch mehr fasziniert ist die Vielfalt an wunderschönen Nachtschmetterlingen und Ähnlichem. Die Farben und Formen scheinen schier unendlich, manche wie ein Blatt getarnt und andere so perfekt wie Schmuckstücke, goldplatiniert mit perfektem Design.

Die Fertigstellung des Hauses schreitet voran. Wir versuchen die Bauarbeiten so schonend wie möglich für die umliegende Natur zu handhaben. Auch die Umgebungsarbeiten rund um das Haus, das Chakra, Wanderwege und Bachregulierungen sind darauf ausgerichtet, Pflanzen und den existierenden Tieren und Insekten ein ideales, gesundes Umfeld zu gewährleisten. Denn diese unglaublich schöne Umgebung wollen wir so gut wie möglich bewahren und pflegen.

Die Lage spitzt sich langsam zu

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Es war nun die vierte Woche draussen auf der Baustelle. Immer weniger haben wir Lust auf unseren 2 tägigen Trip nach Tena um einzukaufen und um administrative Arbeiten zu erledigen. Die Stimmung in Tena wirkt jedes mal auch angespannter und ungemütlicher. Leute sind nervös und veränagstigt. Die Ausganssperre setzt langsam zu.
Die hat die Kriminalität extrem zugenommen. Auch bei uns draussen im Wald wurde eingebrochen. Gestohlen wurden aber nur Esswaren. Es zeigt mir das Leute kein Geld mehr haben um sich mit dem nötigsten einzudecken. Und das ist bedenklich.
Die Baustelle geht nur sehr langsam voran. Doch trotz allem hoffen wir das das Haus inklusive Umgebung bis Ende Mai fertiggestellt werden kann. Eine grosse Lieferung Zement ist auf jedem Fall unterwegs.
Wünsche allen gute Gesundheit und das dieses Virus uns bald verlässt.

Wo das Wasser rauscht

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1-2 mal wöchtlich werden auf dem Grundstück die Grenzen abgelaufen um eventuellen problematiken vorzubäugen und ganz einfach weil es eine schöne Wanderung ist.
Beim Grenzpunkt 7 kann man von weitem immer wieder Wasser rauschen hören. Letzte Woche haben wir uns entschieden diesem Geräusch zu folgen. Durch dicken Busch und steilstes Gelände kämpften wir uns runtern in eine Schlucht. Und tatsächlich fanden wir einen hübschen, wildverwachsenen Bach. Aber die eigentliche Überraschung fanden wir bachaufwärts. Ein schöner Wasserfall inmitten unberührter Wildnis.
Der Rückweg auf gleicher Strecke war nicht möglich, weil wir zum Teil steilste Hänge einfach runtergerutscht sind.
So suchten wir uns einen neuen Pfad zurück. Wir wurden fündig obwohl dies ein riesen Umweg bedeutete.
Und so bereichterten wir uns um ein weiteres Abenteuer und vorallem um ein neues Ausflugsziel, gleich in der Nähe der Finca Pakashka Sacha.

Abenteuer Wald

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Obwohl wir hier nur provisorisch eingerichtet sind hat sich schon eine gesunde Routine hier auf der Finca eingenistetet.
Dies wohl auch wegen den beiden Hunde, Vaco und Becky.
Vom ganzen Projekt sind eigentlich nur 2 Studenten geblieben die weiterhin unter der Betreuung von SABER Y CRECER leben www.saberycrecer.org.
Vicente kann seinen Lehrgang per internet weiterführen, und Byron ist noch bis Ende April im ungewissen wie es an der Universität Amazonas weiterläuft.
Dies gibt uns Zeit Englisch zu lernen, aber auch auf dem Grundstück Arbeiten zu erledigen, Wanderwege ausbauen, Bachführungen korrigieren, Garten anlegen, aufforsten. Aber was mir am meisten zusagt sind die Entdeckungsreisen.
Morgens geht es los mit Machette, in noch unberührte Teile des Grundstücks. Es ist wie eine Entdeckungsreise. Wir finden wildromantische Fleckchen, riesieige Bäume, Wasserfälle. Es ist schier unglaublich was dieses Grundstück alles an Überraschungen bietet und dies lässt die Alltagssorgen verschwinden. Danke.

Leben auf der unfertigen Finca

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Wohnen auf der Baustelle.
Die Lage spitzt sich auch hier mehr und mehr zu. Bis vor einer Wochen waren wir hier noch verschont von all dem Corona-Zauber. Jedoch gibt es scheinbar viele Leute die illegal nach Napo kommen. Zu Fuss oder in Lieferwagen lassen sie sich einschmuggeln. Und nun seit ca. einer Woche haben wir auch 2 Fälle von Positiv getesteten Personen.
Die Stimmung und Spannung hier nimmt merklich zu. Die meisten wissen, wenn die Pandemie hier ausbricht ist der Staat kaum gerüstet.
Der Staat setzt auf strengste Prävention, D.h.
– Komplette Ausgangssperre von 14:00 bis 5:00 morgens.
– Alle öffentlichen Transporte sind stillgelegt.
– Autofahrten sind nur einmal pro Woche möglich. Die Endziffern des Nummernschildes definiert wer wann fahren darf.
– Samstag und Sonntag ist absolutes Fahrverbot.
– Esswaren-Geschäfte und Apotheken sind die einzigen offenen Lokale und diese dürfen nur mit Maske und Handschuhen betreten werden. Es darf nur 2 x pro Woche eingekauft werden. (Endzahl im Ausweis definiert wann genau)
Seit einer Woche wohnen wir draussen auf der Finca in dem halbfertigen Haus.
Improvisieren ist angesagt. Es gibt zwar Wasser und Strom und ein Zimmer im Haus können wir benutzen. Aber WC, Duschen, Telefon und Internet stehen noch nicht zur Verfügung.
Nichts desto trotz. Ich fühle mich viel wohler hier draussen. Täglicher Auslauf mit den Hunden, das Grundstück weiter entdecken, ausführen von Umgebungsarbeiten, all dass hält mich auf trab und gibt mir Ruhe.
Einmal die Woche wandern wir nach Tena (eine Stunde Marsch) um alle Einkaufe zu erledigen. Dass heisst früh aufstehen, eine Stunde marschieren, einkaufen und wieder zurück marschieren vor 14:00. Wenn wir Glück haben nimmt uns ein Fahrzeug mit.
Glück ist wenn man mit dem zufrieden ist, das man hat.
Bleibt gesund.

Leben in der Quarantäne

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Bis zum heutigen Tag ist unser Kanton NAPO glücklicherweise vom Virus verschont. Das Gebiet wurde hermetisch abgeschlossen. Zugang gibt es nur noch für Transporte von Essen, Medizin und Benzin. Herzlichen Dank

Wie für soviele andere Menschen hat sich unser Lebensraum von Gestern auf Heute extrem verändert und reduziert. Die ecuadoriansche Regierung hat sehr rasch stark einschneidende Massnahmen erlassen und diese werden auch entsprechend streng exekutiert.
5:00 bis 14:00
Raus gehen ist toleriert, jedoch nur um das wichtigste zu erledigen. Einkauf von Essen, Medizin oder Benzin.
14:00 bis 5:00
Absolute Ausgangssperre, ausgenommen Notfälle.
Morgens, ab 5:00, gehen wir schnell einkaufen. Der Zugang zu Einkaufsläden ist reguliert. Die Endzahl der Ausweisnummer (ID) definiert die Zeiten zum Einkaufen. Meine Endnummer zum Beispiel ist 1. Das erlaubt mir Montags und Freitags einzukaufen (6:00 bis 12:30). Eingekauft wird nur mit Maske und vorzugsweise mit Handschuhen.

Dann ab 14:00 ist alles ruhig und chillig. In unserer Wohngemeinschaft hier in Tena sind wir 4 Personen und 2 Hunde. Glücklicherweise haben wir mehr als genug Platz in den beiden Wohnungen. Es wird viel gelesen, gelernt, gesurft, abends Karten gespielt und natürlich gut gekocht und gegessen.
Das einzige was mich nervt ist, dass wir die Baustelle in Guinea Chimbana nicht mehr regelmässig besuchen können. Denn da gibt es viel zu tun. Momentan besetzen 2 Mitarbeiter die Baustelle um kleine Arbeiten zu erledigen, aber vorallem um die Baustelle zu beschützen.
Unser Ziel ist es trotz allem in maximal 2 Wochen das Haus soweit fertigzustellen, sodass 2 Personen da mehr oder weniger bequem wohnen können. Das heisst:
– Ein Bad fertigstellen
– 2 Räume bereitstellen und mit Türen versehen
– Einrichten einer kleinen Kochgelegenheit
– Kleiner Kühlschrank.
Wasser und Strom gibt es schon seit längerem. Alles was fehlt ist Telefon und Internet. Aber darauf verichten wir gerne auch mal für längere Zeit. Es gibt ja genügend zu tun rund um das Haus.

Ich denke dieses Virusproblem wird uns noch für längere Zeit beschäftigen. Aber ich lasse mich gerne darauf ein. Ändern können wir ja im Moment eh nichts.
Also Kopf hoch, Herausforderung annehmen, und los. Denn nur vorwärts gehen kann uns zu neuen Horizonten führen.

Alles Gute an alle und viel viel Gesundheit.

Hausbau – Corona-Pause

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Die weltweite Pandemie hinterlässt auch hier seine Spuren. Obwohl der Kanton Tena, Ecuador, noch nicht direkt betroffen ist, sind bei uns strengste Regeln ausgerufen worden. Keine Öffentlichen Verkehrsmittel, alle Läden inkl Restaurants, bis auf Essware und Apotheken, sind geschlossen. Empfehlung ist es zuhause zu bleiben. Ausgangsperre herrscht von 19:00 bis 7:00 morgens. Alle öffentlichen Plätze, Touristenattraktionen sind geschlossen. Das Autosfahren ist durch Nummernschilder limitiert; Tage mit ungeraden Zahlen, Tage mit geraden Zahlen.
Hier im Regenwald werden diese Massnahmen sehr gut eingehalten. Zum Glück.
Keine Hamsterkäufe, keine Zankereien.
Der Hausbau ist natürlich deswegen in Verzögerung geraten. Glücklicherweise hat der Bauführer Vicente, genügend Material vorab eingekauft. Somit kann im reduzierten Tempo trotzdem weiter gearbeitet werden. Der Besuch der Baustelle ist leider etwas schwierig, da es keine Busse oder Taxis mehr gibt. Aber das kann durch liebenswürdige Nachbarn abgedeckt werden. Diese fahren uns ab und zu auf die Baustelle.
In dieser, doch etwas tristen Zeit heitern 2 neue Puppies unser Leben etwas auf. Vaco, ein Rüde und Becky, ein Weibchen, wohnen seit einer Woche hier in meiner Wohung in Tena. Geplant war eigentlich dass die beiden auf dem neuen Grundstück im neuen Haus wohnen sollten. Aber das muss noch warten. Auf jeden Fall konnten sie heute zum ersten Mal ihr neues Heim draussen in GuineaChimbana beschnuppern. Es scheint zu gefallen.

Ich wünsche allen viel Optimissmus und Kraft.
Nehmen wir diese Pandemie als eine Herausforderung an.
Ich denke sie zwingt uns einmal vom hohen Pferd runter zu steigen, unser Leben mal genau anzuschauen, was wir tun und wie wir es tun, und sie gibt uns die Chance unser Verhalten neu zu überdenken.

Die einheimische Bevölkerung hier draussen, spürt von all dem sehr wenig bis nichts. Für sie verändert sich kaum was, denn sie leben mit der Natur.