Gesundheitssystem Ecuador

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Krankenschwester Doña Carmita auf Hausbesuch

Ich war überrascht als eines Morgens eine Dame bei mir in der Wohnung anklopfte und mich über meinen Gesundheitszustand informieren wollte. Misstrauisch fragte ich die Dame ob sie sich ausweisen könne. Und das tat sie auch. Ministerium de Salud, Paushizaku. Da ich gerade Zeit hatte, dachte ich, lass ich mich auf ein Gespräch ein, warscheinlich Umfragen und Statistiken.
Während die Dame, als Krankenschwester qualifiziert, Pulsmesser, Stetoskop und Blutdruckmesser auspackte, informierte sie sich über meinen Gesundheitszustand, meine Essensgewohnheiten, Sport etc. Half mir aus mit diversen, sehr hilfreichen Ideen und Haushalttipps.
Da ich gerade etwas an Magenproblemen litt, und dazu meinte, dass werde ich in der Schweiz alles regeln, denn da werde ich eh einen kompletten Checkup machen, meinte Sie: Ich kann sie doch gleich im nächsten Centro de Salud anmelden und wir machen einen kompletten Checkup für sie. Ein Anfruf auf 171 ergab, dass ich am gleichen Nachmittag einen Termin kriegte.
Da wurde ich auf alles geprüft und gefragt. Blut, Stuhl, Urin. Hochprofessionell kompetent und genau. Den Termin für eine weitere Konsultation fixiert man wiederum über die Telefonnummer 171. Alles schnell und vorallem kostenlos, inklusive Medikamente.
Ich war wirklich mehr als erstaunt über diesen perfekt organisierten Ablauf.
Das scheint mir, zumindest hier in Tena, ein sehr gesundes Gesundheitssystem zu sein. Hut ab und Gruss an meine teure Krankenkasse.

Leben mit einer indigenen Familie

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Johnathan am Eingang der Haupthütte

Die letzten paar Tage habe ich mich auf das Abenteuer eingelassen und mit der Familie Chimbo draussen im Wald gelebt. Die Familie ist sehr arm jedoch extrem reich an Lebensqualität. Der Vater fähr ein Motorkanu für Touristen in Misahualli und die Mutter verkauft Früchte und Gemüse im nächstgelegenen Dorf. Kakao und Bananenplantagen bringen ein zusätzliches Einkommen.
Die Familie lebt in einem typischen Kichwahaus, allein draussen im Wald. Die Kichwas kennen in dem Sinne keine Dörfer wie wir. Zwei, aus einfachen Holzbrettern gezimmerte, auf Stelzen stehende Hütten sind das Heim der 10 köpfigen Familie. Eine Hütte bildet das Wohnzimmer, versehen mit einem Tisch und einer Holzbank und abgetrennt davon ist die Küche. Das auf den höheren Stelzen stehende Gebäude ist die Schlafhütte, aufgeteilt in 3 Räume. Möbel gibt es keine. Ein paar Bretter bilden das Bett, das etwas erhöht vom Boden ist um ungewünschtes Unfgeziefer fern zu halten. Matrazen gibt es nicht. Geschlafen wird in den Kleidern, wenn es kühler ist, bedient man sich einer Decke.
Gewaschen, Zähne geputzt und gebadet wird draussen vor der Hütte. Ein Plastikbottich  und ein Schlauch der wie ein Brunnen ständig frisches Wasser liefert erfüllen die Ansprüche. Toilette gibt es keine. Gepinkelt wird um das Haus und für die grösseren Geschäfte geht man weiter raus in den Wald.
Gegessen wird in der Küche am Boden. Mir wurde anfangs der Tisch und die Bank im Wohnzimmer angeboten um mit Byron, seperat von der Familie, zu essen.
Unter einer flackernden Glühbirne wird dann abends zusammengesessen, gelacht, Haare geflochten und jeder erzählt von seinem Tag.
Es gibt eine einfach Primarschule die zu Fuss in etwa 15 erreichbar ist. Die älteren Kinder müssen per Kanu täglich nach Misahualli gefahren werden um die Oberstufenschule besuchen zu können.
Täglich haben wir kleine Wanderungen, durch den Wald genossen. Dies trotz Regen. Voran immer jemand mit Machette um den Weg frei zu machen. Jedesmal waren es faszinierende Erlebnisse.
Doch nach 3 Tagen war ich müde. Die ganze Umstellung, das Leben ohne wirkliche Privatsphäre ist streng und das Schlafen auf dem Boden ist ungewohnt. Auch das simple Essen ist ungewohnt. Die Diät besteht hauptsächlich aus Bananen, Manok, Reis, Fisch und Huhn und Eier.
Auf dem Rückweg hat mir die Mutter Violeta ein Reiseproviant vorbereitet. Ein Stück gekochte Manokwurzel und ein Blatt voll mit lebenden Ameisen als Snack.
Gerührt, fasziniert und innerlich sehr glücklich, aber auch müde reiste ich, per Kanu und danach per Bus, zurück nach nach Tena.

 

Baden in Chuya Yaku

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Der Hauptstrand. Flussaufwärts und flussabwärts findet man weitere wunderschöne Lagunen und Strände, ganz für sich allein

Chuya Yaku (klares Wasser) ist eines von vielen kleinen Dörfern draussen im Wald in der Umgebung von Archidona. Was Chuya Yaku auszeichnet ist der wunderschöne klare Fluss, geziert mit riesigen Felsblöcken, und das alles umgeben von der wilden Natur und Schönheit des Regenwaldes. Kleine Sandstrände, Wasserfälle und Pools die zum schwimmen einladen, machen diesen Ort zu einer erfrischenden Oase. Am Strand laden kleine Fressbuden zu einheimischen Gerichten, Tilapia de Maito (Fisch im Palmenblarr gedämpft), Maduros (Gegrillte Bananen mit Käse gefüllt) und vielem mehr. Ausländische Touristen findet man hier kaum. Also ein kleiner Geheimtipp wenn man Tena besuchen sollte.

 

Die blaue Stadt Pellileo

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Mitten im Herzen von Ecuador findet man Pellileo auf 2600 müM. Die mächtige Bergkulisse mit dem aktiven Vulkan Tungurahua ziert diese Kleinstadt. Haupttätigkeit hier  ist die Produktion von Jeans. Daher der Name: die blaue Stadt.
Ich hatte die Gelegenheit einen Einblick in einen Produktionsbetrieb zu werfen, gar 2 Tage mitzuhelfen. Auf kleinstem Raum werden aus fertig zugeschnittenen Stoffstücken, auf verschiedenen Maschienen mit enormen Aufwand, in diversen Arbeitsgängen, Jeans genäht. Die Bedingungen sind für unsere Schweizerverhältnisse schlecht. Pro fertig genähte Jeans, Arbeitsaufwand von ca 3 Std, gibt es für die Familie CHF 1.50.
Ich trage heute meine Jeans mit viel mehr respekt.
Hier ein paar meiner Eindrücke.

 

Laguna Paikawe Misahualli

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Seit ich nicht mehr im Studentenhaus voll eingespannt bin bleiben mir genügend Zeit für Ausflüge. Es gibt so viele Orte rund um Tena zu entdecken. Viele wunderschöne Orte sind nicht touristisch erschlossen und daher schwer zu finden. Dafür umso spannender. So auch die Laguna Paikawe neben Misahualli. Meine Freundin Elke wusste von diesem Juwel. Fragt man die Familie vorort ob sie einem durch die Lagune führen, tun die dies mit Freude. Die eine Stunde im Ruderboot durch die Lagune war wie ein Ferienwochenende. Spannend, Ruhe, draussen in der Natur.

 

Besuch bei der Familie Chimbo

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In der Hütte der Familie Chimbo

Der erste Besuch hat mich dermassen fasziniert. So fremd dies alles ist, ich fühle mich unglaublich wohl und entspannt da draussen. Und so bin ich des öfteren bei der Familie Chimbo. Wenn ich kann bringe ich Essen wie Reis, Zucker und Brot Pasta, etc. Dies sind beliebte Abwechslungen zu Chicha (Manokmilch) und Bananen.
Beim letzten Besuch war gerade Minga (Zusammenkunft der Eltern um die Schule instand zu halten). Gemeinsam wurde geräumt, gemalen und geputzt. Danach gabs ein Fussballspiel auf der Schulwiese.
Faszinieren für mich sind die Spaziergängen durch die Plantagen und den Regenwald. Ohne grosse Wege, unterwegs mit Machette auf der Suche nach grossen Bäumen, Bächen, Tierspuren oder spannende Insekten.
Da draussen fühl ich mich wohl und lebendig.

 

Zuhause im Wald

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Die Hütten der Familie Chimbo. Traditionell ein Haus für essen und kochen. Das zweite Haus zum schlafen

Byron, der Kollege der mich auf der Rundreise durch Ecuador begleitet hat, ist in einem kleinen Dorf namens Pukaurcu aufgewachsen. Und er hat mich eingeladen seine Familie da draussen zu besuchen. Die Kichwa kennen in dem Sinne keine Dörfer wie wir. Man lebt in Familien draussen im Wald in seinen Hütten.
Um zum Haus zu gelangen muss man bis Misahualli per Bus reisen, danach wurde ich von der Familie im ihrem Kanu abgeholt. Für unsere Verhältnisse ist da alles sehr einfach. Keine Betten keine Toiletten kein fliessendes Wasser im Haus. Die einzige Bank die es im Haus gibt wurde mir als erstes hingestellt, sodass ich bequem sitzen kann. Man spricht nicht viel. Man ist einfach. Das Gefühl für mich überwältigend.
Nachmittags haben mich Byron und 2 seiner Geschwister in einem „Remo“ (Kelinem Ruderkanu) flussaufwärts in eine Lagune gerudert. Ein herrlicher Ort zum Baden. Violeta, die Mutter von Byron, hat für uns später eine Hühnersuppe mit Manok dazu zubereitet.
Es war schon dunkel als mich der Vater, flussaufwärts, mit dem Kanu zurück nach Misahualli gebracht hat.
Die Einfachheit und Zufriedenheit hier draussen hat mich gerührt.