Ein typischer Tag in Studentenhaus «Llakta Kawsana Huasi»

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Es ist 5:30 morgens. Draussen ist es noch dunkel. Exotische Vogelstimmen draussen, gezirpe und Quacken, zwischendruch Hahngerähe. Zeit um aufstehen. Meine Arbeit fängt an mit Frühstück vorbereiten. Heisser Tee, Toast oder mehr bevorzugt von den Studenten, frisch gebackenes Brot. Jasson, Sacha, Micaela und Elder, einer nach dem anderen trudelt für das Frühstück in der Küche ein. Manchmal wird am Tisch geplauder, oft aber auch einfach die Ruhe des Morgens genossen.
Um halb sieben verlässt der letzte das Haus. Pünktlichkeit in der Schule wird hier streng gehandhabt. Ist man um 7 nicht auf dem Schulhof steht man daussen vor geschlossenen Toren.

Ab sieben ist Arbeite im und ums Haus angesagt. Umgebungsarbeiten, Gartenpflege, Einkauf von Grundnahrungsmitteln, organisieren von Trinkwasser und Gas, Schulbesuche, Einspringen wenn Probleme auftauchen, Elterngespräche etc. In meinem Jobbeschrieb war auch eine Position «Insekten vertilgen» erwähnt. Ich konnte mir darunter nicht viel vorstellen. Gelernt habe ich jedoch schnell. Denn nimmt man es mit der Reinlichkeit etwas zu gelassen, übernehmen innert kürzester Zeit hunderte von Ameisen und anderem Ungeziefer die Abräumarbeiten und vertilgen aller Art von Insekten, Fliegen, Spinnen, Libellen.etc. Also, tägliche Reinigung ist angesagt, wenn ich das Haus nicht den Insekten überlassen will.
Die Grundsäzlichen Arbeiten im Haus mach ich und der Rest der Arbeiten ist in Aemtern den einzelnen Studenten zugewiesen. Vorerst dachte ich, dass meine Truppe einfach zu bequem zum reiningen sei, bis mir bewusst wurde, dass sie in ihrer Umgebung in der sie aufgewachsen sind, keine solchen Reinigungsarbeiten kennen. Das Bad war der Bach die Toilette der Wald die Küche der Feuerplatz. Nicht das die Quichuan nicht sauber wären, im Gegenteil. Jedoch in einem ganz anderen Umfeld. Also wurde kurzerhand ein Reinigungskurs einberufen.

Ab 13:00 Uhr kommen schon die ersten Studenten nach Hause. Auch für sie ist der Tag noch lange nicht fertig. Da jeder nur eine Schul-Uniform besitzt, wird fast täglich gewaschen. Wir haben den Luxus, dass wir hinter dem Haus einen Waschtisch mit fliessendem Wasser haben. Viele Leute waschen ihre Wäsche unten am Fluss.
Vielleicht findent mann noch kurz Zeit für ein kühlendes Bad im Fluss, dann aber geht es los mit Hausaufgaben. Mathematik scheint hier das grösste Problem zu sein. Die meisten Qichuankinder wachsen hier ohne jeglichen Bezug zu Nummern auf. Die Zeitangaben macht die Sonne, Hausnummern kennt man nicht, wieviele Geschwister oder wieviel man hat ist nicht von Interesse. Das Konzept der Zahlen wird erst später gelernt.

Für das Nachtessen wird ca ab 18:00 Uhr vorbereitet. Täglich übernimmt ein Team diese Aufgabe. Das heisst einkaufen, kochen, Tisch decken, abräumen und Küchenreinigung. Trotz des bescheiden Budgets ist unser Tisch immer gut gedeckt.
Oft bleibt noch etwas Zeit nach dem Essen für ein Spiel oder gar mal einen Film auf dem Computer zu schauen.
Spätestens um 22:00 Uhr ist dann Zeit für Nachtruhe, denn am nächsten Tag geht es wieder um 5:30 los.

Als Grafiker und Geschäftsmann bin ich hier in eine komplett neue Welt eingetaucht. Alles ist einfacher gestrickt, etwas unzuverlässiger, manchmal kompliziert oder gar unverständlich für mich mit meinem anderen kulturellen Hintergrund . Doch wenn ich loslasse und mich auf die hier herrschenden Gegebenheiten einlasse, beschert es mir einen gemächlichen, menschlichen und herzlichen Lebensrythmus und zeigt mir komplett neue Sichtweisen auf Dinge. Oft denke ich, dass ich mehr von diesen Menschen profitiere als ich ihnen geben kann. Täglich freue ich mich auf weitere neue Herausforderungen.

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