El Compromiso / Die Verlobung

Tanzen bis zum umfallen

Die Kichwas Indios finden immer einen guten Grund für ein Fest. Dieses Wochenende waren wir zu der Verlobung von Alexandra und Felix draussen im Wald in Puku Urko eingeladen.

Am Samstag Mittag fuhren wir per Bus nach Misahualli. Von da an ging es weiter mit Kanu bis zum Haus von der Familie Chimbo Mamallacta. Gereist wird vorschriftsgemäss nur mit der obligatorischen Corona Schutz-Maske und Desinfektionsmittel zur Hand. Jedoch einmal Vorort herrscht ein Gedränge und alle Corona Schutzmassnahmen sind vergessen.

Eine typische Verlobung hat bei den Kichwas sein genaues Protokoll.

– Familie des Bräutigams:
Sie besuchen die Eltern der zukünftigen, gewünschten Braut und bringen ihr Anliegen bei der Familie vor. Bei einem Ja, wird ein Datum für die Verlobung festgesetzt.

– Familie des Bräutigams:
Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Cusine kommt zum Haus des Mädchens. Sie bringen Essen und vorallem viel zum trinken. 

– Die Familie der Braut:
Alle sitzen zusammen mit den Gästen in einem Kreis, typisch für alle Kichwa Feste.

– Familie des Bräutigams:
Eltern, und Paten des Bräutigams Begrüssen jedes einzelne Familienmitglied der Braut und Plaudern. Dies um sich gegenseitig kennen zulernen.

– Bräutigam und Braut:
machen die Runde im Kreis und Fagen jedes einzelne Familienmitglied um Einverstädtnis und um Ratschläge für deren neuen Lebensabschnitt.

– Familie des Bräutigams:
Ansprache des Vaters. Er äussert nun ofiziell den Antrag zur Verlobung 

– Die Familie der Braut:
Vater komentiert und akzeptiert offiziell.

– Bräutigam und Braut:
setzen sich in der Mitte des Kreises und nun bringen alle, erst Famile der Braut, dann Gäste, Geschenke für das Brautpaar. 

– Familie des Bräutigams:
Die Männer bringen Getränke, Kastenweise Bier, Limonade und Schnäpse in den Kreis. Währenddessen bereiten die Frauen das Essen für alle Gäste vor.

– Die Familie der Braut:
Die Männer verteilen die Getränke an die direkten Familienmitglieder und Freunde. Familienmitglieder erhalten mindestens einen Kasten Bier und ein Liter Schnaps und viel Limonade und alles zusammen mit einem Becher. Mit diesem Becher werden dann die Getränke im Verlauf des Festes direkt weiter verteilt

– Familie des Bräutigams:
Servieren an alle Gäste Essen. Und dies in riesen Mengen. (das meiste wird eingepack, denn diese Mengen essen kann niemand). Viel Essen und Trinken zu servieren ist ein Statussymbol. Je mehr je bessergestellt die Familie. Leider verschulden sich viele Familien um sich möglichst gut presentieren zu können.

Zusammen mit dem Essen wird das traditionelle, alkoholhaltige Getränk Chicha serviert. Jede Fraue bringt ihre selbst gemachte Chicha, serviert in grossen Kübeln und je einer Getränkeschale die herumgereicht wird. Die volle Schale wird von der Frau an den Mund des Gastes angesetzt. Dieser trinkt bis die Schale leer ist. Danach wird die Schale mit der Hand kurz abgewischt, neu gefüllt und beim nächsten Gast angesetzt. 

Und dann wird getanzt, geplaudert und vorallem viel Alcohol getrunken.
Das ganze Fest wirkt wie eine Trance. Kinder, Grosseltern, Jugendliche, einfach alle Tanzen, Trinken, Rauchen, Schreien, Lachen, Weinen. Wer nicht mehr mag legt sich hin oder fällt von alleine um. Wenn man erwacht wird weitergetrunken.

Man trinkt nie aus seiner eigenen Falsche sondern serviert sein Getränk an alle anderen. Was zu wirklich unkontrolliertem Alkohol Konsum führt.

Ich kann da nicht mithalten. Um 12 Uhr Mitternacht habe ich mich zurückgezogen. Das Fest lief weiter, vom Samstag Mittag bis Montag Mittag. Erst dann endlich um 14:00 verstummte die Musik, so wurde mit berichtet.

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