Atemnot

Ich weiss, es gibt nichts mühsameres als die Krankengeschichte und die dazu begleitenden Klagen einer Person anhören zu müssen. Jedoch Aufgrund der anhaltenden Skepsis und Vereitelung des Covid-Problemes jedoch, möchte ich meine Geschichte teilen. Ich wünsche niemandem diese Ungewissheit, die Schmerzen und die Angst, einen natürlichen Ablaufe, seinen eigenen Atmen Stück um Stück zu verlieren. 

Es ist normalerweise 8 Uhr, das Frühstück im Studentenhaus ist beendet, die Küche aufgeräumt und die meisten der Studenten beginnen ihre Online Klassen. 

Das ist der moment wo ich mit meinen Hunden den kleinen Anstieg hinter dem Studentenhaus PAKASHKA SACHA mit den beiden Hunden in Angriff nehme. Unser morgendlicher Spaziergang. Das fast 7 Hektaren grosse, hüglige Grundstück von PAKASHKA SACHA, besteht aus hauptsächlich Primärwald. Dieser Ablauf bereitet mich bestens auf meine vollen Arbeitstag vor. Administrative Arbeiten, Bauführung, Studentenbetreuung und Management des Projekte PAKASHKA SACHA. 

Seit nun über einem Jahr wohne ich hier nun mit Byron und 4 Studenten. In einem sich im Bau befindenden Haus zu wohnen ist eine riesige Herausforderung. Speziell wenn das Haus eigentlich im April 2020 hätte fertig sein sollten, und bis zum heutigen Zeitpunkt immer noch im Bau ist.
Klar, die Pandemie hat viel auf den Kopf gestellt aber dies ist nur ein kleiner Teil des Problems.

Im Februar 2020 unterzog ich mich einer komplett Untersuchung mit Blutbild und allem drum und dran. Ich fühlte mich einfach immer müde und schwach. Die Resultate waren bestens, ein Hinweis auf Parasiten, aber das ist hier im Regenwald normal. Trotz der Einnahme von den verschriebenen Medikanementen wurde es nicht wirklich besser. Aber ich kämpfte mich durch. Kann ja auch Stress und Anspannung sein, Bauphase, Arbeitsstress etc.
Dann im September 2020 wurden Beschwerden so stark, Mühe mit Atmen, Müdigkeit und schlechter Schlaf, dass ich mich einer weiteren komplette Untersuchung unterzog. Und diesmal mit einem Schnell-Covid Test. Der Befund war Atemwegsinfektionen aber ansonsten alles besten. Der Arzt verschrieb mir eine Tonne von Medikamenten, 3 verschiedenen Antibiotika, Schmerzmittel, und Inhalier-Sprays. Die Symptome wurden gemildert aber gingen nicht komplett weg. Auf schleichendem Weg fühlte ich mich immer schwächer und schwächer. 

Die indigenen Familien boten mir ihre natürlichen anti Covid-Medikamente an was ich gerne akzeptierte. Ein bitterer Saft auf diversen Rinden und Kräutern musste ich täglich 3 x einnehmen. 

Auch unterzog ich mich verschiedenen Shaman Ritualen. Einige mit aber auch ohne Ayuhuasca. Alles gab mir Hoffnung und kurze Besserung aber immer wieder ging es mehr bergab. Dies bis zu einem komplett Zusammenbruch. Ich war so geschwächt, mit Fieber und Schmerzen dass ich nicht mehr laufen konnte.

Dann Ende Jahr wurde mir ein weiterer Arzt empfohlen, Dr. Daza in der Amazonas Klinik. Ich war zu diesem Zeitpunkt so geschwächt, dass ich die meiste Zeit im Bett verbrachte und meine täglichen Arbeiten nicht mehr verrichten konnte. Zum Arzttermin konnte ich kaum noch laufen. Byron hat mich glücklicherweise begleitet.
Die Diagnose von Dr Daza war Covid-Langzeit-Nachwirkungen. Dies obwohl mein Schnelltest ein negatives Resultat verzeichnete. Spritzen und antivirale Medikamente wurden mir von ihm verschrieben. Der Zustand verbesserte sich nach der Spritze schnell. Endlich wieder ohne Schmerzen Atmen zu können ist befreiend. Doch nach dem Ende der 2 wöchingen Therapie verschlimmerte sich mein Zustand wieder.
Ich meldete mich zurück bei Dr. Daza. Er verschreib mir weitere Medikamente und Atemübungen um meine Atemnöte besser bewältigen zu können. Dies wiederholte sich über die nächsten Monate in immer kürzeren Abständen und dem gleichen Krankheitsablauf, erst eine Verbesserung des Zustandes und danach stetige Verschlechterung.

Die Atemnot raubte mir in der Zwischenzeit meinen Schlaf und ich konnte kaum mehr klar denken und handeln. Mehrere male erwachte ich Nachts, nach Luft ringend. Todmüde am offenen Fenster versuchte ich mich zu beruhigen um wieder zu einem, nicht panikartigen Atmen, zu gelangen.

Es kam soweit, dass ich Angst hatte einzuschlafen und im Schlaf zu ersticken. Dr. Daza versorgte mich so gut als möglich mit immer neuen Medikamenten. Er vertröstete mich, dass ich einer von vielen bin und dass es bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich keine wirklich bewährte Behandlung gibt. Und auch dass das Angebot an Medikamenten hier in Ecuador limitiert ist. 

Nicht nur Atemnot, auch Erschöpftheit und Depressionen setzten ein. Ich war eigentlich nur noch im Bett. Die Studenten versorgten mich mit Essen und Trinken und erledigten so weit wie möglich meine Arbeiten im Haus.

Weitere Shaman Behandlungen hier im Haus, Rituale bei denen mein ganzer Körper mit Tabak und Alkohol eingerieben wurde, halfen nicht sehr viel. Mir war zu diesem Zeitpunkt jedoch jeder versuch, mich aus dieser miserablen Lage zu befreien, recht.

Dann Ende März kam ein kompletter Zusammenbruch. Fieberschüben, Atemnot und damit verbundene Panikattacken und Körperschmerzen liessen mich weder wach sein noch schlafen. Um 10 Uhr nachts ging einfach nichts mehr. Die Studenten wollten mich in den Spital hier in Tena bringen. Dieser jedoch ist weit über seiner Kapazität ausgelastet und lieber sterbe ich hier als abgestellt in irgend einem Bett draussen in einem Gang im Spital Tena. Ich konnte mich kaum noch bewegen, Schüttelfröste, verschleimter Hals und konnte kaum noch Atmen.
Die Studenten Byron und Denyce avisierten einen Freund der scheinbar eine nicht zugelassene aber wirksame Medizin habe. Mir war in diesem Moment alles egal. Einfach nicht mehr dieses Leiden.
Mir wurde Ivermectin gespritzt, eine Antiparasiten-Medikament, bestimmt Tiere. Die Injektion war äusserst schmerzhaft, aber egal. Und schon nach wenigen Minuten entspannte sich alles. Ich fühlte mich zwar immer noch schwach aber ich litt nicht mehr so stark. Und über die folgenden Tage verbesserte sich mein Zustand um einiges. Zwar begleitete mich immer noch eine bleierne Müdigkeit aber ich konnte wieder einigermassen Atmen. Zwar immer noch mit Schmerzen aber ich hatte nach langem endlich wieder mal das Gefühl genügend Luft zu kriegen.

In den folgenden Tagen besuchte ich ein weiteres Mal meinen Arzt Dr. Daza. Er gab mir weitere Spritzen und Medikamente gegen Infektionen. Und der Zustand verbesserte sich weiter.
Regelmässige Atemübungen, Yoga und Meditationen helfen mir wieder mich zu meinem Grundzustand zu begleiten.

Endlich kann ich wieder meine täglichen Morgenspaziergänge im Wald geniessen. Immer noch etwas schwach aber schmerzfrei. Bergauf geht es nur sehr langsam denn ich muss meine Kondition natürlich wieder langsam aufbauen, Ich war ja körperlich praktisein halbes Jahr komplett inaktiv.

Ich hoffe dies ist der direkte Weg zu meiner Genesung, der Weg zurück in meine Routine. Endlich auch kann ich wieder meine lang vernachlässigten Arbeiten langsam aufnehmen. Viel ist liegen geblieben. Aber das pack ich an. 

Ich bin dankbar wieder zu meiner Gesundheit gefunden zu haben. Ohne Gesundheit wird alles wertlos.

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